Über die allgemeine Digitalisierung wird sehr viel und kontrovers gesprochen. Auch im Umfeld des Sports gewinnt Technologie an Bedeutung. Nicht zuletzt, weil viele Fans sich vor und nach dem Spiel digital über ihre Mannschaft informieren, sich austauschen und auch im Stadion ihr Smartphone dabei haben. In diesem Kontext haben wir uns mit Steve Kirchhoff (Geschäftsführer Next Digital Group), Stefan Adam (Geschäftsführer DEG) und Christopher Schlenker (Leiter Sponsoring DEG) zusammengesetzt, um über die Verbindung von Profisport, Fans, Sponsoren und weiteren Unternehmen und Technologie zu sprechen.

Durch den Umzug von der Brehmstraße 2006, hat sich das Stadionerlebnis für die Fans sehr gewandelt. Wie fortschrittlich ist die Technologie im ISS Dome im Hinblick auf das Stadionerlebnis bereits?

Adam: Die technische Ausstattung des ISS DOME ist absolut zeitgemäß. Ein vollständig erneuerter Videowürfel, neue LED-Panels, eine Aufrüstung der Soundanlage und eine deutliche Erweiterung der Möglichkeiten der Stadionregie, sind wichtige Investitionen, die in den letzten zwei bis drei Jahren getätigt wurden. Der Blick in andere Multifunktionsarenen, z. B. in Mannheim oder Berlin zeigt aber auch, dass nach oben hin kaum Grenzen gesetzt sind. Wir sind dennoch mit unseren Möglichkeiten zufrieden und können unseren Fans ein attraktives Eishockey-Erlebnis bieten.

Es wird über Apps gesprochen, die Besucher zukünftig an ihren Sitzplatz, zu den Toiletten oder zu Infoständen navigieren und die Bestellung von Snacks und Getränken ermöglichen, die dann direkt an den Platz geliefert werden. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass diese Technologien zukünftig in Stadien verfügbar sind?

Kirchhoff: Für viele Fans beginnt das digitale Erlebnis bereits vor dem Spieltag. Sei es die Information über Statistiken, der Austausch mit der Mannschaft über soziale Medien und Verabredungen über WhatsApp. Auch die Anfahrt zur Halle wird digital unterstützt über die App des VRR oder die Nutzung von Fahrdiensten wie Uber. Google Maps ermöglicht zudem eine planmäßige Anfahrt mit dem Auto und vielleicht kann ich in Zukunft auch meinen Parkplatz per App reservieren und bezahlen. Die Schranke öffnet sich dann automatisch. Richtig spannend wird es dann im digitalisierten Stadion. Eine Kombination von Mobil-App mit intelligenten Sitzschalen ist bereits heute keine Zukunftsmusik mehr, sondern wurde bereits durch SAP entwickelt. Damit ist eine Navigation in der Halle, der Service am Platz inklusiver mobiler Bezahlung bereits heute möglich und auch im Einsatz. Perspektivisch wird es sicherlich möglich sein, den Fans und Besuchern direkte Spielinformationen, Wiederholungen sowie auch Straf- und Regelinformationen direkt auf das Smartphone zu spielen. Wichtig ist dabei, dass solche Möglichkeiten maßvoll zum Einsatz kommen.

Adam: Selbstverständlich beschäftigen wir uns mit sämtlichen Entwicklungen, die für die DEG relevant sein könnten. Wenn wir etwas für sinnvoll umsetzbar halten, gehen wir das Ganze auch konkret an. Es muss aber immer ein zumindest mittelfristig potenzieller Mehrwert erkennbar sein. Vieles liegt auch nicht in unserer eigenen Hand. Vieles was den Stadionbetrieb, z. B. das Catering, das Parken oder die Verkehrsführung angeht, ist letztlich von Entscheidungen des Eigentümers und des Betreibers abhängig. Für die Zukunft ist aber sicherlich vieles denkbar.

„Ein Mehrwert für unsere Partner, aber eben auch für unsere Fans“

Virtual Reality (VR) ermöglicht es, die Realität auszublenden und in eine neue Welt einzutauchen. Augmented Reality (AR) ist realitätsbezogen und versorgt die Nutzer mit zusätzlichen Informationen über die aktuelle Umgebung. Bezüglich Vermarktungsansätzen, welche Rolle könnten VR und AR in Zukunft für Sponsoren und Fans spielen?

Schlenker: Eine große! Beide Technologien kommen bei uns bereits zum Einsatz. Im Sommer haben wir einen innovativen Vermarktungsweg eingeschlagen und potenziellen Sponsoren einen 360 Grad VR-Film samt Card-board-Brille zugeschickt. Dabei haben wir Entscheider auf eine kleine Heimspielreise mitgenommen, welche so tief in die DEG-Vermarktungswelt eintauchen konnten. Es war uns sogar möglich, vermarktbare Flächen wie z. B. Banden im Design des jeweiligen Unternehmens virtuell einzuspielen. Die Resonanz war äußerst positiv, sodass wir auch in Zukunft Partner über diesen Ansatz für uns gewinnen möchten. AR kommt in unserem DEG Magazin zum Einsatz. Ein Mehrwert für unsere Partner, aber eben auch für unsere Fans. Dabei können über eine App weitere Inhalte sichtbar gemacht werden. Auch hier sehen wir in Zukunft weitere Ansätze.

Kirchhoff: Man darf auch nicht vergessen, dass nicht jeder Fan zu jedem Spiel anreisen kann, insbesondere wenn es Auswärtsfahrten sind. Durch das mitten drin statt nur dabei Erlebnis, wird die Verbindung zwischen Fans und Mannschaft sicherlich intensiviert. Für Sponsoren ist die Technologie zudem eine vielversprechende Möglichkeit, die eigene Marke mit größerer Reichweite zu versehen. Hierdurch dürften auch neue Einnahmequellen für die DEG entstehen. Ein Spiel gegen die Kölner Haie würde ich aber immer live sehen wollen.

Der öffentliche Zugang zu WLAN wird immer wichtiger und ist auch Voraussetzung für viele Technologien. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass die Zuschauer dann nur noch am Smartphone sind und das Spiel vergessen könnten.

Adam: Es ist in der Tat zwiespältig zu beurteilen. Das Erlebnis und die Atmosphäre live im Stadion sollten etwas Besonderes sein und bleiben. Hier bestehen ja bereits aktuell zahlreiche visuelle und akustische Kommunikationskanäle. Auf der anderen Seite gibt es sicherlich interessante ergänzende Elemente, die in Zukunft auf dem Smartphone zum Standard gehören werden und nicht automatisch zu einer ständigen Ablenkung führen müssen.

Schlenker: Im Eishockey geht es extrem rasant zu. Tore, Strafzeiten, strittige Entscheidungen – es passiert immer etwas. Aber es gibt auch stets kurze Unterbrechungen während des Spiels und Drittelpausen, in denen der Zuschauer sich mit anderen Inhalten zum Spiel auseinandersetzen kann.

Kirchhoff: Wenn wir ehrlich sind, stellt das Smartphone bereits heute eine „Verlängerung unserer selbst“ dar. Viele von uns ärgern sich, wenn das Mobilfunknetz mal wieder nicht funktioniert und ich das letzte Tor nicht über soziale Medien und Co mit Freunden teilen kann. Es gilt daher, solche Angebote zu schaffen, welche den Spieltag bereichern und das Spiel ergänzen, aber nicht davon ablenken. Und spätestens, wenn alle um mich herum den Einlauf unseres Teams feiern, wird es für mich persönlich schwierig das Stadionerlebnis auszublenden und das Spiel zu vergessen.

Nicht zuletzt werden zukünftige Technologien auch neue Möglichkeiten der Spielanalyse eröffnen. Welche Techniken nutzt die DEG dazu bereits heute und welche Techniken könnten die Spielanalyse zukünftig präzisieren?

Adam: Wir nutzen im Wesentlichen zwei Systeme zur Spielanalyse, eins davon bietet im zweiten Schritt dann auch noch zusätzliche Möglichkeiten zur statistischen Auswertung und ist auch Basis einer umfassenden Datenbank, die für unser Scouting eingesetzt wird. Bei der Datenerhebung und der Gesamtsystematik haben wir uns in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Mit entsprechenden Investitionen, die uns aktuell aber leider nicht möglich sind, könnte die Analyse im Training und in Heimspielen noch erweitert verbessert werden.

Kirchhoff: In unserem täglichen Geschäft arbeiten und entscheiden wir inzwischen größtenteils datenbasiert. Durch die Verfügbarkeit und Strukturierung von Leistungsdaten können sich Muster identifizieren, wie z. B. wann ein Produkt gut funktioniert und unter welchen Umständen nicht. Gerade im Sport, wo viele Statistiken generiert werden, bieten sich viele Ansätze, die es dem Trainerteam ermöglichen können, schnell im Spiel, aber auch im Training einzugreifen und ggf. zu korrigieren. In Kombination mit individuellen Leistungsdaten der einzelnen Spieler, welche z. B. über Sensoren in der Ausrüstung erhoben werden, sind sicherlich ganz neue Trainings- aber auch Coaching-Ansätze denkbar. Ich meine, wenn wir in der Lage sind, datenbasiert den Laufweg von Kunden im Möbelhandel zu optimieren, warum nicht auch das Laufverhalten des Left Wings im Powerplay?

Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung im Sponsoring und wie fortschrittlich ist die DEG diesbezüglich bereits?

Kirchhoff: Neben den eher klassischen Ansätzen des Placements in Print-Medien, im TV, auf dem Trikot oder der Bandenwerbung, müssen Sponsoren zukünftig genauer verstehen können, welche Wirkung ihre individuellen Werbemaßnahmen haben. Das kann bestenfalls weitere Investitionen in die Mannschaft zur Folge haben. Ich sehe die DEG bereits auf einem sehr guten Weg.

Vielen Dank für das Gespräch. Die DEG und die Next Digital Group freuen sich bereits auf die nächsten gemeinsamen Projekte!

Quelle: DEG MAGAZIN, Saison 2018/2019, Ausgabe 5, Januar

Die gesamte Ausgabe zum Blättern ist hier zu finden.

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