Kommunale IT 2035: Warum Konsolidierung unvermeidbar wird

Künstliche Intelligenz treffen auf Fachkräftemangel, begrenzte finanzielle Ressourcen und historisch gewachsene Strukturen.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr, ob sich kommunale IT verändern muss, sondern wie schnell und in welcher Struktur.

Aus unserer Sicht wird die Entwicklung bis 2035 vor allem durch einen Faktor geprägt: Konsolidierung.

Dabei bedeutet Konsolidierung nicht zwangsläufig Fusion. Sie umfasst gemeinsame Plattformen, standardisierte Leistungen, Kooperationen, arbeitsteilige Betriebsmodelle, gemeinsame Kompetenzzentren und dort, wo es wirtschaftlich und strategisch sinnvoll ist, auch strukturelle Zusammenschlüsse.

Fünf Entwicklungen werden den Markt verändern

1. Die Anforderungen wachsen schneller als die verfügbaren Ressourcen

Kommunale IT muss immer mehr leisten.

Cloud-Transformation, Informationssicherheit, digitale Verwaltungsleistungen, Registermodernisierung, Datenplattformen, Künstliche Intelligenz und moderne Arbeitsplatzkonzepte erweitern das Aufgabenspektrum kontinuierlich.

Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.

Damit entsteht ein strukturelles Problem: Nicht jede Organisation wird zukünftig sämtliche benötigten Kompetenzen selbst wirtschaftlich vorhalten können.

Die entscheidende Frage wird deshalb sein, welche Fähigkeiten kommunale IT-Dienstleister selbst besitzen müssen und welche Leistungen gemeinsam, arbeitsteilig oder über strategische Partner erbracht werden können.

2. Skaleneffekte werden wichtiger

Viele IT-Leistungen haben hohe Fixkosten.

Rechenzentren, Security Operations, Cloud-Plattformen, Netzwerkbetrieb, Softwareplattformen und spezialisierte Fachkompetenzen benötigen erhebliche Investitionen.

Je stärker diese Ressourcen gemeinsam genutzt werden können, desto größer werden grundsätzlich die Möglichkeiten für Skaleneffekte.

Das bedeutet nicht, dass größer automatisch besser ist. Größe ohne Standardisierung und klare Governance kann zusätzliche Komplexität erzeugen.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Organisationsgröße, sondern die Frage:

Welche Leistungen lassen sich tatsächlich standardisieren und skalieren?

Genau hier liegt eine zentrale Aufgabe zukünftiger Konsolidierung.

3. Kooperation wird vom strategischen Instrument zur Notwendigkeit

Kommunale IT ist heute bereits stark vernetzt. Bis 2035 dürfte diese Vernetzung deutlich weitergehen.

Dabei erwarten wir unterschiedliche Modelle:

  • gemeinsame Plattformen und Infrastrukturen
  • arbeitsteilige Leistungserbringung
  • gemeinsame Kompetenzzentren
  • standardisierte Produktportfolios
  • strategische Kooperationen zwischen IT-Dienstleistern
  • gemeinsame Beschaffung und Entwicklung
  • gemeinsame Rechenzentrums- und Cloud-Strukturen
  • strukturelle Zusammenschlüsse und Fusionen

Damit verändert sich auch die strategische Fragestellung.

Nicht mehr jede Organisation muss jede Leistung selbst erbringen.

Stattdessen wird die Fähigkeit wichtiger, ein leistungsfähiges Ökosystem zu gestalten und zu steuern.

4. Künstliche Intelligenz erhöht den Veränderungsdruck zusätzlich

Künstliche Intelligenz wird nicht nur die Verwaltung verändern. Sie verändert auch die IT selbst.

Softwareentwicklung, Support, Dokumentation, Monitoring, Wissensmanagement, Prozessautomatisierung und Cybersecurity werden zunehmend durch KI unterstützt.

Dadurch entstehen Produktivitätspotenziale. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Daten, Plattformen, Governance, Informationssicherheit und Kompetenzen.

Kommunale IT-Dienstleister müssen deshalb entscheiden, wo sie eigene Fähigkeiten aufbauen und wo gemeinsame Lösungen sinnvoller sind.

Gerade bei hoch spezialisierten Kompetenzen kann eine gemeinsame Leistungserbringung deutlich wirtschaftlicher sein als der parallele Aufbau identischer Fähigkeiten in vielen Organisationen.

5. Der Markt wird sich neu strukturieren

Bis 2035 erwarten wir deshalb keine vollständig zentralisierte kommunale IT-Landschaft.

Wir erwarten aber deutlich weniger Parallelität.

Die zukünftige Marktstruktur dürfte stärker aus spezialisierten und miteinander verbundenen Akteuren bestehen.

Einige Organisationen werden regionale Plattformfunktionen übernehmen. Andere werden sich auf bestimmte Leistungen spezialisieren. Wieder andere werden Kompetenzen gemeinsam organisieren oder sich strukturell zusammenschließen.

Damit entstehen neue Rollen im Markt:

Plattformanbieter. Spezialisten. Integratoren. regionale IT-Dienstleister. gemeinsame Kompetenzzentren.

Für Geschäftsführungen und Träger kommunaler IT stellt sich deshalb heute bereits die Frage, welche Rolle ihre Organisation 2035 übernehmen soll.

Konsolidierung darf nicht mit Fusion gleichgesetzt werden

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Arbeit mit kommunalen Organisationen ist, Konsolidierung nicht vorschnell organisatorisch zu denken.

Eine Fusion kann sinnvoll sein. Sie ist aber nur eine mögliche Antwort.

Vor einer strukturellen Entscheidung sollten zunächst vier Ebenen betrachtet werden:

Leistungen: Welche Produkte und Services werden heute erbracht und wo bestehen Überschneidungen?

Prozesse: Welche Prozesse können standardisiert oder gemeinsam organisiert werden?

Technologie: Welche Infrastrukturen, Plattformen und Systeme lassen sich konsolidieren?

Organisation: Welche Governance und Organisationsstruktur unterstützt das zukünftige Leistungsmodell?

Erst danach sollte entschieden werden, welche organisatorische Form geeignet ist.

Damit folgt die Struktur dem Zielbild und nicht umgekehrt.

Die zentrale Frage lautet: Welche Rolle wollen wir 2035 spielen?

Kommunale IT-Dienstleister sollten ihre Strategie deshalb nicht allein aus ihrer heutigen Organisation ableiten.

Sie sollten vom zukünftigen Markt ausgehen.

Dazu gehören aus unserer Sicht fünf zentrale Fragen:

  1. Welche Leistungen werden unsere Kunden 2035 benötigen?
  2. Welche dieser Leistungen können wir selbst wirtschaftlich und qualitativ hochwertig erbringen?
  3. Wo benötigen wir Skalierung oder Spezialisierung?
  4. Welche Leistungen sollten wir gemeinsam mit anderen Organisationen entwickeln oder betreiben?
  5. Welche Rolle wollen wir innerhalb der zukünftigen kommunalen IT-Landschaft übernehmen?

Aus diesen Fragen entsteht ein strategisches Zielbild.

Und aus diesem Zielbild lassen sich konkrete Entscheidungen zu Portfolio, Technologie, Kompetenzen, Kooperationen und Organisationsstruktur ableiten.

Konsolidierung ist kein Selbstzweck

Das Ziel darf nicht darin bestehen, möglichst große Organisationen zu schaffen.

Das Ziel muss eine leistungsfähigere kommunale IT sein.

Sie muss wirtschaftlich arbeiten, ausreichend Fachkräfte gewinnen und entwickeln können, technologische Innovation ermöglichen, Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig die Anforderungen ihrer kommunalen Kunden zuverlässig erfüllen.

Konsolidierung ist dafür ein Instrument.

Richtig eingesetzt kann sie Ressourcen bündeln, Spezialisierung ermöglichen, Investitionen gemeinsam nutzbar machen und die Innovationsfähigkeit erhöhen.

Falsch umgesetzt kann sie zusätzliche Komplexität erzeugen.

Deshalb braucht Konsolidierung ein klares strategisches Zielbild.

Unser Blick auf 2035

Die kommunale IT-Landschaft wird 2035 anders aussehen als heute.

Technologischer Wandel, Fachkräftemangel, steigende Sicherheitsanforderungen und wirtschaftlicher Druck werden dazu führen, dass bestehende Strukturen zunehmend hinterfragt werden.

Die Gewinner dieser Entwicklung werden nicht zwangsläufig die größten Organisationen sein.

Es werden diejenigen sein, die frühzeitig entscheiden, welche Rolle sie zukünftig übernehmen wollen, ihre Leistungen konsequent standardisieren und die richtigen Kooperationen aufbauen.

Die strategische Diskussion darüber sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn wirtschaftlicher oder personeller Druck Veränderungen erzwingt.

Sie sollte heute beginnen.

Wie die Next Digital Group unterstützt

Die Next Digital Group begleitet kommunale IT-Dienstleister, Kommunen und öffentliche Organisationen bei strategischer Weiterentwicklung, Konsolidierung und Transformation.

Dabei verbinden wir Markt- und Strategiearbeit mit der konkreten Ausgestaltung von Leistungsportfolios, Governance, Organisation, Technologie und Umsetzung.

Unser Anspruch ist nicht, Konsolidierung als Ziel vorzugeben.

Unser Anspruch ist, gemeinsam eine belastbare Antwort auf die entscheidende Frage zu entwickeln:

Wie muss eine kommunale IT aufgestellt sein, damit sie auch 2035 wirtschaftlich, leistungsfähig und technologisch anschlussfähig bleibt?