Zehn Jahre Komm.ONE: Was wir aus einer der großen Transformationen der kommunalen IT gelernt haben
Eine Fusion ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Der Zusammenschluss zur Komm.ONE zeigt, was langfristige Konsolidierung in der kommunalen IT bewirken kann. Die ursprünglich erwarteten Synergiepotenziale wurden deutlich übertroffen. Gleichzeitig entstand eine Organisation mit neuen Möglichkeiten für Skalierung, Innovation, Kundenorientierung und technologische Weiterentwicklung. Die Next Digital Group hat diesen Weg von den ersten Analysen über Konzeption und Umsetzung bis zum Abschluss der Postfusion begleitet.
Mehr als zehn Jahre Transformation ermöglichen einen Blick, den klassische Projektbetrachtungen nur selten bieten.
Was wurde aus den Annahmen des ursprünglichen Business Cases?
Welche Synergien konnten tatsächlich realisiert werden?
Welche Herausforderungen entstanden erst während der Umsetzung?
Wie lange dauert eine Fusion wirklich?
Und welche Fähigkeiten besitzt die neue Organisation heute, die vor dem Zusammenschluss nicht oder nur mit erheblich größerem Aufwand möglich gewesen wären?
2024 haben wir diese Entwicklung in einem Kurzgutachten nochmals systematisch betrachtet. Das Ergebnis bestätigt eine zentrale Erkenntnis:
Die Fusion war erfolgreich. Und ihre langfristige Wirkung geht deutlich über die ursprünglich erwarteten Synergien hinaus.
Von der ersten Analyse bis zur Postfusion
Die Geschichte der Fusion begann lange vor der gemeinsamen Marke Komm.ONE.
Bereits 2014 starteten die konzeptionellen Arbeiten. Dazu gehörten Grobanalyse, Due Diligence, Business Case und die Entwicklung eines Umsetzungskonzepts.
Darauf folgten die Vorbereitung der Transformation, der Aufbau der zukünftigen Organisation und die schrittweise Realisierung erster Synergien.
Mit dem formalen Zusammenschluss war die Arbeit nicht beendet.
Die Integration von Strukturen, Prozessen und Verantwortlichkeiten musste umgesetzt werden. Unterschiedliche Organisationen mussten zusammenwachsen. Infrastruktur und Leistungen wurden weiterentwickelt. Kunden- und Mitgliederorientierung, Steuerung und Organisation wurden neu ausgerichtet.
Die Next Digital Group hat diesen Prozess über seine unterschiedlichen Phasen hinweg begleitet.
Unsere Rollen reichten von der strategischen Analyse und Konzeption über Programmleitung und Projektleitungen bis zur Moderation und Steuerung zentraler Transformationsprozesse.
Damit haben wir die Fusion nicht nur punktuell beraten, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus erlebt:
Analyse. Entscheidung. Konzeption. Umsetzung. Integration. Postfusion.
Diese Perspektive prägt bis heute unseren Blick auf Konsolidierung.
Die erste Erkenntnis: Eine Fusion dauert länger als der Zusammenschluss
Eine der wichtigsten Erfahrungen lautet:
Der rechtliche Vollzug ist nicht das Ende einer Fusion.
Er ist ein Meilenstein.
Die eigentliche Integration findet danach statt.
Organisationen müssen zusammengeführt werden.
Prozesse müssen vereinheitlicht werden.
Verantwortlichkeiten müssen neu geordnet werden.
Technologien und Infrastruktur müssen konsolidiert werden.
Kulturen müssen zusammenwachsen.
Und gleichzeitig muss das operative Geschäft zuverlässig weiterlaufen.
Bei Komm.ONE erstreckte sich diese Entwicklung über mehrere Jahre und unterschiedliche Transformationsphasen. Auch nach dem formalen Abschluss wurden Organisation, Infrastruktur, Kundenorientierung und Steuerung kontinuierlich weiterentwickelt.
Fusionen brauchen deshalb einen langen Atem.
Die zweite Erkenntnis: Synergien können deutlich größer sein als erwartet
Vor einer Fusion braucht es einen belastbaren Business Case.
Auch bei Komm.ONE wurden im Rahmen der Due Diligence konkrete Synergiepotenziale identifiziert.
Zehn Jahre später zeigt der Vergleich zwischen Erwartung und tatsächlicher Entwicklung ein bemerkenswertes Ergebnis:
Die ursprünglich erwarteten Synergiepotenziale wurden deutlich übertroffen.
Besonders relevant waren dabei Effekte aus Organisation sowie der Konsolidierung und Optimierung von Standorten und IT-Infrastruktur.
Gleichzeitig zeigt die langfristige Betrachtung, dass sich Synergien nicht exakt so entwickeln, wie sie zu Beginn geplant werden.
Einige Potenziale sind schwieriger zu realisieren. An anderen Stellen entstehen während der Transformation zusätzliche Möglichkeiten.
Daraus folgt eine wichtige Konsequenz:
Synergiemanagement endet nicht mit dem Business Case.
Potenziale müssen während der gesamten Transformation kontinuierlich überprüft, weiterentwickelt und realisiert werden.
Die dritte Erkenntnis: Der größte Wert einer Fusion steht nicht vollständig im Business Case
Noch interessanter als die wirtschaftlichen Effekte ist aus unserer Sicht die strategische Wirkung.
Eine größere Organisation kann Fähigkeiten entwickeln, die vor dem Zusammenschluss nur begrenzt oder mit deutlich höherem Aufwand möglich gewesen wären.
Komm.ONE hat in den Jahren nach der Fusion unter anderem ihre Kunden- und Mitgliederorientierung weiterentwickelt, Personal- und Entwicklungsstrukturen professionalisiert, Innovationsprozesse aufgebaut und ihre Vernetzung mit relevanten Akteuren auf Landes- und Bundesebene ausgebaut.
Damit verändert sich die Betrachtung einer Fusion.
Die relevante Frage lautet nicht ausschließlich:
Welche Kosten können wir einsparen?
Sie lautet:
Welche neue Handlungsfähigkeit können wir durch gemeinsame Strukturen schaffen?
Genau dieser Teil wird in klassischen Fusionsrechnungen häufig unterschätzt.
Die vierte Erkenntnis: Größe ist kein Selbstzweck
Aus dem Erfolg der Komm.ONE lässt sich nicht ableiten, dass größere Organisationen automatisch besser funktionieren.
Größe erzeugt zunächst Komplexität.
Mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mehr Prozesse.
Mehr Systeme.
Mehr Produkte.
Mehr Schnittstellen.
Der Mehrwert entsteht erst, wenn diese Komplexität aktiv reduziert wird.
Standardisierung, klare Governance, gemeinsame Infrastruktur, eindeutige Verantwortlichkeiten und ein konsistentes Leistungsportfolio sind deshalb entscheidend.
Eine Fusion schafft die Voraussetzung für Skaleneffekte. Die Integration entscheidet, ob sie tatsächlich entstehen.
Das erklärt auch, warum Postfusion aus unserer Sicht ein eigener Bestandteil der Transformationsplanung sein muss.
Die fünfte Erkenntnis: Kundennähe muss neu organisiert werden
Eine häufige Sorge bei Konsolidierungen lautet, dass größere Organisationen weiter von ihren kommunalen Kunden entfernt sind.
Diese Entwicklung ist nicht zwangsläufig.
Komm.ONE hat ihre Kunden- und Mitgliederorientierung nach der Fusion gezielt weiterentwickelt. Regionale Strukturen, Austauschformate, Gremien und systematische Befragungen wurden genutzt, um Präsenz und Dialog zu stärken.
Daraus ergibt sich eine wichtige Erkenntnis:
Größe und Kundennähe sind kein Widerspruch. Aber Kundennähe muss in einer größeren Organisation bewusst organisiert werden.
Auch das gehört zur Postfusion.
Die sechste Erkenntnis: Konsolidierung schafft Raum für Innovation
Fusionen werden häufig als Effizienzprojekte gestartet.
Langfristig kann ihre größere Wirkung jedoch in der Innovationsfähigkeit liegen.
Komm.ONE hat nach der Fusion Innovationsstrukturen aufgebaut, Partnerschaften erweitert und neue Themenfelder entwickelt. Verwaltungsdigitalisierung, Plattformen, automatisierter Datentransfer, Low Code sowie Data und KI zeigen, wie sich das Leistungsportfolio kommunaler IT weiterentwickelt.
Gebündelte Ressourcen schaffen dabei neue Möglichkeiten.
Spezialisierte Kompetenzen können aufgebaut werden.
Investitionen verteilen sich auf eine größere Basis.
Neue Leistungen können systematischer entwickelt werden.
Kooperationen können mit größerer Reichweite gestaltet werden.
Damit wird aus Konsolidierung mehr als Effizienzsteigerung.
Sie kann zur Grundlage für zukünftige Innovationsfähigkeit werden.
Warum diese Erfahrungen heute besonders relevant sind
Die Herausforderungen, die den Fusionsprozess damals geprägt haben, sind nicht verschwunden.
Sie haben sich verschärft.
Fachkräfte werden knapper.
Cybersecurity und Resilienz werden anspruchsvoller.
Cloud-Infrastrukturen benötigen hohe Investitionen.
Rechenzentren stehen vor neuen technologischen und wirtschaftlichen Anforderungen.
Data Intelligence und Künstliche Intelligenz benötigen spezialisierte Kompetenzen.
Bürgerinnen und Bürger erwarten leistungsfähige digitale Services.
Gleichzeitig wächst der finanzielle Druck auf Kommunen.
Deshalb wird die Frage nach der zukünftigen Struktur kommunaler IT erneut wichtiger.
Nicht jede Konsolidierung muss eine Fusion sein
Dabei ist uns eine Differenzierung wichtig.
Die Erfahrungen aus Komm.ONE sind kein Argument dafür, jede kommunale IT-Organisation zu fusionieren.
Konsolidierung kann unterschiedliche Formen annehmen.
Gemeinsame Plattformen.
Geteilte Infrastruktur.
Kompetenzzentren.
Arbeitsteilige Leistungserbringung.
Gemeinsame Produkte.
Strategische Kooperationen.
Oder, wo es strategisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, eine Fusion.
Die Organisationsform sollte nicht am Anfang der Diskussion stehen.
Am Anfang sollte die Frage stehen:
Welche Fähigkeiten benötigen Kommunen zukünftig und welche Struktur kann diese am besten bereitstellen?
Erst daraus sollte das geeignete Modell abgeleitet werden.
Unser Blick auf 2035
Nach mehr als zehn Jahren Begleitung des Komm.ONE Transformationsprozesses bleibt für uns eine Erkenntnis besonders relevant:
Erfolgreiche Konsolidierung kann deutlich mehr schaffen als die Summe der ursprünglichen Synergien.
Aus gebündelten Ressourcen entsteht Skalierung.
Aus Skalierung können Spezialisierung und neue Kompetenzen entstehen.
Aus gemeinsamen Strukturen kann Innovationsfähigkeit entstehen.
Und aus einer Fusion kann eine Organisation hervorgehen, die zukünftige Herausforderungen mit einer anderen Handlungsfähigkeit adressieren kann.
Genau deshalb sollte die aktuelle Diskussion über die Konsolidierung kommunaler IT nicht auf Einsparpotenziale reduziert werden.
Es geht um eine größere strategische Frage:
Welche Strukturen brauchen wir heute, damit kommunale IT 2035 noch leistungsfähig, sicher, innovativ und finanzierbar ist?
Mehr als zehn Jahre Transformationserfahrung
Für die Next Digital Group ist Komm.ONE deshalb auch ein besonderes Projekt unserer eigenen Unternehmensgeschichte.
Wir haben den Prozess von den ersten Analysen und dem Business Case über Konzeption, Programm- und Projektleitung und die Begleitung zentraler Transformationsschritte bis in die Postfusion unterstützt.
Zehn Jahre später konnten wir gemeinsam zurückblicken und überprüfen, was aus den damaligen Annahmen geworden ist.
Diese langfristige Perspektive ist für unsere heutige Arbeit besonders wertvoll.
Denn wir wissen aus eigener Projekterfahrung:
Eine Fusion ist nicht erfolgreich, wenn der Zusammenschluss vollzogen ist.
Sie ist erfolgreich, wenn Jahre später nachweisbar eine leistungsfähigere Organisation entstanden ist.
Komm.ONE zeigt, dass genau das möglich ist.