Zukunft der kommunalen IT in NRW: Next Digital Group im Austausch mit Hauptverwaltungsbeamtinnen und Hauptverwaltungsbeamten

Wie müssen kommunale IT-Dienstleistungen und Digitalisierung in Nordrhein-Westfalen zukünftig organisiert werden? Zu dieser Frage hat Steve Kirchhoff, CEO und Gründer der Next Digital Group, in den Arbeitsgruppen des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen in allen fünf Regierungsbezirken Impulse für die zukünftige Struktur der kommunalen IT gegeben und mit Hauptverwaltungsbeamtinnen und Hauptverwaltungsbeamten diskutiert.

Die Ausgangslage ist anspruchsvoll.

Kommunen müssen ihre Digitalisierung weiter beschleunigen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Informationssicherheit, digitale Souveränität, Cloud-Infrastrukturen, Daten und Künstliche Intelligenz. Der demografische Wandel verschärft den Wettbewerb um IT-Fachkräfte und die finanziellen Handlungsspielräume vieler Kommunen bleiben begrenzt.

Damit wird eine Frage zunehmend strategisch:

Sind die heutigen Strukturen der kommunalen IT auch für die Anforderungen der kommenden zehn Jahre leistungsfähig genug?

Kommunale Digitalisierung braucht leistungsfähige Strukturen

Nordrhein-Westfalen verfügt über eine vielfältige kommunale IT-Landschaft mit kommunalen IT-Dienstleistern, Kooperationen, Eigenbetrieben und unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit.

Diese Vielfalt ist historisch gewachsen und besitzt klare Stärken. Gleichzeitig entstehen Parallelstrukturen, unterschiedliche Standards und begrenzte Skaleneffekte.

Mit den Anforderungen der kommenden Jahre steigt der Handlungsdruck.

Nicht jede Kommune und nicht jeder IT-Dienstleister wird sämtliche technologischen Fähigkeiten dauerhaft selbst aufbauen und wirtschaftlich betreiben können.

Das betrifft beispielsweise:

  • Cloud- und Plattformarchitekturen
  • Cybersecurity
  • Rechenzentrumsinfrastrukturen
  • Datenplattformen und Data Intelligence
  • Künstliche Intelligenz und AI Agents
  • digitale Verwaltungsleistungen
  • spezialisierte technologische Kompetenzen

Die Diskussion über die Zukunft der kommunalen IT muss deshalb über einzelne Digitalisierungsprojekte hinausgehen.

Es geht um die zukünftige Leistungsarchitektur der kommunalen Digitalisierung in Nordrhein-Westfalen.

Konsolidierung bedeutet nicht automatisch Fusion

Ein Schwerpunkt der Diskussionen war die Frage, wie stärkere Zusammenarbeit und Konsolidierung aussehen können.

Dabei ist aus unserer Sicht eine Differenzierung wichtig.

Konsolidierung bedeutet nicht zwangsläufig, bestehende Organisationen zusammenzuführen.

Sie kann auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden.

Kommunen und IT-Dienstleister können Infrastruktur gemeinsam betreiben, Plattformen teilen, Produkte standardisieren, spezialisierte Kompetenzen bündeln oder Leistungen arbeitsteilig erbringen.

Erst wenn diese Möglichkeiten betrachtet wurden, stellt sich die Frage, ob auch organisatorische Zusammenschlüsse sinnvoll sind.

Die Struktur sollte dem zukünftigen Leistungsmodell folgen und nicht umgekehrt.

Nicht jede Leistung muss überall erbracht werden

Eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre lautet deshalb:

Welche Fähigkeiten müssen kommunale IT-Dienstleister selbst besitzen und welche können gemeinsam erbracht werden?

Heute werden teilweise ähnliche Kompetenzen, Systeme und Leistungen an unterschiedlichen Stellen parallel aufgebaut.

Das wird angesichts steigender technologischer Komplexität und knapper personeller Ressourcen schwieriger.

Eine zukünftige kommunale IT-Landschaft könnte deshalb stärker arbeitsteilig funktionieren.

Einzelne Organisationen übernehmen bestimmte Plattform- oder Kompetenzfunktionen. Andere spezialisieren sich auf ausgewählte Leistungen. Infrastruktur wird stärker gemeinsam genutzt. Standards ermöglichen einen einfacheren Austausch von Leistungen.

Damit verändert sich die Logik von kommunaler IT.

Nicht jede Organisation muss alles selbst können.

Entscheidend wird die Fähigkeit, gemeinsam ein leistungsfähiges kommunales IT-Ökosystem zu organisieren.

Digitalisierung muss stärker skalierbar werden

Diese strukturelle Perspektive betrifft auch die Digitalisierung selbst.

Wenn jede Kommune ähnliche Herausforderungen individuell löst, entstehen hohe Entwicklungs- und Betriebskosten.

Die zentrale Frage sollte deshalb häufiger lauten:

Was müssen wir einmal entwickeln und anschließend vielfach nutzbar machen?

Standardisierung und Skalierung stehen dabei nicht im Widerspruch zur kommunalen Selbstverwaltung.

Im Gegenteil.

Gemeinsame technologische Grundlagen können Kommunen von Aufgaben entlasten, bei denen lokale Individualität keinen relevanten Mehrwert erzeugt.

Dadurch entstehen Freiräume für die Aufgaben, bei denen lokale Gestaltung tatsächlich erforderlich ist.

KI erhöht den Handlungsdruck

Künstliche Intelligenz verstärkt diese Entwicklung zusätzlich.

Kommunen werden in den kommenden Jahren zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen. Gleichzeitig entstehen Anforderungen an Daten, Plattformen, Informationssicherheit, Governance und Kompetenzen.

Nicht jede Kommune muss dafür eine eigene KI-Infrastruktur und nicht jeder kommunale IT-Dienstleister sämtliche notwendigen Fähigkeiten selbst aufbauen.

Gerade hier entstehen erhebliche Potenziale für gemeinsame Plattformen, Standards und Kompetenzzentren.

Die Diskussion über kommunale KI ist deshalb gleichzeitig eine Diskussion über die zukünftigen Strukturen kommunaler IT.

Von einzelnen Organisationen zum Gesamtsystem

Ein wichtiger Perspektivwechsel besteht darin, kommunale IT nicht ausschließlich aus Sicht einzelner Organisationen zu betrachten.

Wenn jede Organisation ihre eigene Struktur optimiert, entsteht daraus nicht automatisch das optimale Gesamtsystem.

Für Nordrhein-Westfalen stellt sich deshalb eine größere Frage:

Wie muss die kommunale IT-Landschaft insgesamt gestaltet sein, damit Kommunen dauerhaft leistungsfähige, sichere und wirtschaftliche IT- und Digitalisierungsleistungen erhalten?

Dafür braucht es einen Dialog zwischen Kommunen, kommunalen IT-Dienstleistern, Verbänden und weiteren Akteuren.

Die Arbeitsgruppen des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen schaffen dafür einen wichtigen Rahmen.

Fünf Regierungsbezirke, eine gemeinsame Herausforderung

Der Austausch mit Hauptverwaltungsbeamtinnen und Hauptverwaltungsbeamten in den fünf Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster hat gleichzeitig gezeigt, dass Ausgangslagen und Anforderungen unterschiedlich sind.

Kommunale Größe, vorhandene IT-Strukturen, regionale Kooperationen und Digitalisierungsstände unterscheiden sich.

Eine zukünftige Struktur kann deshalb nicht allein aus einem zentralen Standardmodell bestehen.

Sie benötigt gemeinsame Leitplanken und gleichzeitig ausreichend Raum für unterschiedliche regionale Strukturen.

Entscheidend ist, dass lokale und regionale Lösungen in eine übergreifende Zielarchitektur passen.

Unser Blick auf die kommunale IT 2035

Aus Sicht der Next Digital Group werden sich die Strukturen kommunaler IT in den kommenden zehn Jahren deutlich verändern.

Wir erwarten mehr Standardisierung.

Mehr gemeinsame Plattformen.

Mehr Spezialisierung.

Mehr arbeitsteilige Leistungserbringung.

Und dort, wo es wirtschaftlich und strategisch sinnvoll ist, auch weitere strukturelle Konsolidierung.

Das Ziel darf dabei nicht Konsolidierung um ihrer selbst willen sein.

Das Ziel muss eine kommunale IT sein, die auch 2035 ausreichend Fachkräfte besitzt, technologisch anschlussfähig bleibt, sichere Infrastrukturen betreiben kann und Digitalisierung wirtschaftlich skalierbar macht.

Den Dialog weiterführen

Wir bedanken uns beim Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen und insbesondere bei den teilnehmenden Hauptverwaltungsbeamtinnen und Hauptverwaltungsbeamten für die Möglichkeit zum Austausch und die offenen Diskussionen.

Für die Next Digital Group ist dieser Dialog besonders wertvoll.

Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit kommunaler Digitalisierung, der strategischen Entwicklung kommunaler IT-Dienstleister, Kooperationen, Konsolidierung und der Frage, wie leistungsfähige Strukturen für die kommenden Jahre gestaltet werden können.

Die Diskussion in den fünf Regierungsbezirken bestätigt für uns:

Die Zukunft der kommunalen Digitalisierung entscheidet sich nicht allein an der nächsten Technologie oder dem nächsten Digitalisierungsprojekt. Sie entscheidet sich zunehmend an der Frage, ob wir die richtigen Strukturen schaffen, um Technologie, Kompetenzen und Ressourcen gemeinsam skalieren zu können.

Genau diese Diskussion möchten wir weiter mitgestalten.